Tattoos gestern und heute

Geschichte des Tattoos

Unter einem Tattoo versteht man ein direkt auf dem Körper aufgebrachtes und dauerhaftes TattooDekor. Durch Einbringung von spezieller Tinte wird die Pigment-Struktur der Haut permanent verändert. Von echten Tattoos zu unterscheiden sind Hautbilder, die lediglich über durch Färben der Hautoberfläche angebracht werden und die nach einigen Wochen wieder verschwinden. Eine Tätowierung erhält durch die Tatsache, dass sie nicht oder nur mit großem Aufwand wieder entfernbar ist, eine besondere Bedeutung für den Träger und die Umwelt. Allen Menschen, die eine Tätowierung zu Gesicht bekommen, kommuniziert der Träger bewusst oder unbewusst, dass er mit der Tätowierung Entscheidung getroffen und eindeutig Standpunkt bezogen hat. Gerade die Tatsache, dass eine Tätowierung nicht einfach von der Haut abradiert werden kann, hat in der Gesellschaft seit jeher zu kontroversen Einstellungen geführt.

Der Ursprung des Wortes Tattoo liegt in Tahiti. Mit „Tattau“ wurde in der Landessprache eine Markierung jeder Art bezeichnet. Die ältesten Körperzeichnungen wurden auf altägyptischen Mumien identifiziert und können somit auf vorchristliche Zeit zurückgeführt werden. Auch in Chile wurden tätowierte mumifizierte Körper entdeckt, deren Alter auf 7000 Jahre geschätzt wird. Die ersten Tätowierungen wurden eingesetzt, um die Zugehörigkeit zu einem Stamm zu kennzeichnen. Die Markierungen hatten in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen. Bei den Polynesiern wurden mit aus Flora und Fauna stammenden Motiven Stärke und Schönheit ausgedrückt. In einigen Völkern wurden Jungen, sobald sie das Mannesalter erreichten, zum Beleg des Erwachsenenstatus mit einer Tätowierung versehen. Im antiken Japan und China hingegen wurden Tätowierungen als Bestrafung eingesetzt. Kriminelle wurden mit einem diskriminierenden Zeichen auf der Stirn gebrandmarkt.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein wurden Träger von Tätowierungen mit Stereotypen belegt und mit dem Milieu von Seefahrern, Prostituierten oder Kriminellen in Verbindung gebracht. Während Tätowierungen unter diesen gesellschaftlichen Gruppen nach wie vor häufig anzutreffen sind, sind die Körperbilder längst nicht mehr nur in gesellschaftlichen Schattenzonen oder als subkulturelles Phänomen anzutreffen. Seit den 70er Jahren gewannen die zuvor mit einem negativen Image behafteten Körperzeichnungen im Zuge der Jugendbewegung zunehmend an Akzeptanz und eroberten die Welt der Mode und der Popkultur. War die Welt des Tätowierens bis dahin noch vorwiegend männlich geprägt, entdeckten auch viele Frauen diese Form des Körperausdrucks neu für sich. Das Motiv-Portfolio vieler Tattoo-Studios passte sich dem erweiterten Kundenkreis. Mit neuen kreativen Ideen für feminine und naturale Motive wurden gezielt Frauen angesprochen. Da auch immer mehr Künstler aus aller Welt sich der Körperkunst zuwandten und zur Tätowiernadel griffen, wurde das Angebot an bildlichen Vorlagen rasch vielfältiger und ist seither durch zahlreiche kulturelle Einflüsse geprägt.

In der vom Fernsehsender Arte produzierten Dokumentation „Tattoo Total“ wird auf die Geschichte der Tätowierung eingegangen und es werden Persönlichkeiten vorgestellt, die wesentlich zu der von Kalifornien ausgehenden Popularisierung dieser Körperkunst beigetragen haben.

Image gestern und heute

Der Imagewandel der einst verachteten Körperzeichnung hat sich ununterbrochen fortgesetzt und in erstaunlich kurzer Zeit fanden Tätowierungen eine wesentlich größere Akzeptanz. Insbesondere bei jungen Menschen wurden sie zunehmend populär und zwangen die Gesellschaft, ihre Einstellung in Bezug auf diese Form der Symbolkultur zu ändern. Heute tragen auch viele einflussreiche und gesellschaftlich geachtete Personen eine Tätowierung. Auch aus vielen Teilen des Berufslebens verschwand die bis dahin vorherrschende Stigmatisierung oder offene Benachteiligung tätowierter Menschen. Allerdings gibt es nach wie vor berufliche Gruppen, bei denen das offene Tragen einer Tätowierung nicht akzeptiert wird. Auch im Staatsdienst tätige Personen müssen in vielen Bereichen Einschränkungen hinnehmen und sichtbare Tätowierungen verdecken oder entfernen lassen.

Technik und Sichtbarkeit

Technisch wird bei der Tätowierung Tinte in die Dermis der Haut eingespritzt. Die Dermis liegt unterhalb der die Hautoberfläche bildenden Epidermis. Die Nadel der Tattoomaschine schwingt mit extrem hoher Frequenz auf und ab und durchsticht die Haut, während der Tätowierer mit dem Gerät das aufzubringende Muster erstellt. Der Prozess ähnelt vom Prinzip her der Art und Weise, wie Tintenstrahldrucker tröpfchenweise einen Text oder eine Grafik drucken. Beim Tätowieren wird der Kontrast, die Stellen eines Motivs aufweisen, durch eine dichtere oder weniger dichte Anordnung von Einstichstellen bestimmt. Wie schmerzlich die Prozedur für den Kunden ist, ist von der Körperregion und der allgemeinen Schmerzempfindlichkeit der Person abhängig. Ein guter Tätowierer klärt seinen Kunden zuvor über die Vorgehensweise auf und erläutert, wie das neue Tattoo zu pflegen ist. Zur Nachbehandlung werden Cremes eingesetzt, die aufgetragen werden, bis der Heilungsprozess abgeschlossen ist. Unmittelbar nach einer Tätowierung sollte nicht geduscht oder gebadet werden. In den folgenden Tagen kann die Haut mit milder Seife und sauberen Händen gereinigt werden. Auch dann ist aber noch von einem Reiben und Abrubbeln der Haut mit dem Handtuch abzusehen.

Arm-Tattoo

Arm-Tattoo

Millionen von Menschen sind tätowiert, doch lassen sich gut drei Gruppen unterscheiden.

Extrovertierte Personen tragen eine Tätowierung oftmals bewusst an einer gut sichtbaren Stelle wie dem Unterarm, dem Oberarm oder dem Hals. Die Wirkung auf andere ist hier beabsichtigt und oft entscheidendes Motiv.

Tattoo Schulter

Tattoo Schulter

Andere entscheiden sich für Körperregionen, die für die Öffentlichkeit weniger sichtbar sind und nutzen die Tätowierung somit in erster Linie zur Selbstversicherung und Selbstidentifikation. Sie wird an einer intimen Körperregion platziert und bleibt nur für Personen sichtbar, zu denen ein enger Kontakt besteht.

 

Tattoo Bauch

Tattoo Bauch

Ein dritter Personenkreis setzt Tätowierungen nur an Stellen ein, die erst bei weitestgehender Entkleidung sichtbar werden. Eine Außenwirkung ergibt sich somit nur in kurzer Freizeitkleidung, beim Sport oder am Strand. Im eingekleideten Alltag bleibt die Tätowierung verdeckt. Diese Menschen legen oft Wert darauf, dass ihre berufliche Karriere nicht durch das Tragen von Tätowierungen beeinträchtigt wird. Die meisten tätowierten Personen sind den beiden letztgenannten Gruppen zuzuordnen.

Eine Entscheidung fürs Leben

Die meisten Bildmotive sind gegenständlicher Natur, jedoch sind auch abstrakte Zeichnungen, Ritualzeichen und Schriftzeichen beliebt. Eines der Hauptmotive, weshalb sich Menschen für eine Tätowierung entscheiden, ist eine bestehende oder vergangene Beziehung zu einer anderen Person. Oftmals sind es auch Idole oder religiöse Gestalten, die auf diese Weise verehrt und auf der eigenen Haut verewigt werden. Bei tätowierten Texten steht inhaltlich meist die Philosophie und Lebensauffassung des Trägers im Vordergrund. Es werden einzelne Sätze, Sprüche oder auch ganze Passagen tätowiert, die für den Träger eine besondere Bedeutung besitzen oder seine Einstellung zum Leben ausdrücken. Bisweilen werden Schriften auch aus rein ornamentalen Gründen gewählt. Dies ist insbesondere bei Schriftzeichen aus dem asiatischen Raum der Fall.

Die Entscheidung für eine Tätowierung fällt oft aus einem Impuls oder einer Emotion heraus. Modische Aspekte, Gruppenzugehörigkeit oder Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sind einige der Gründe, warum nicht nur junge Menschen von den Möglichkeiten dieser Art der Körperdekoration fasziniert sind. Während viele Menschen beim Übergang in eine neue Lebensphase eine Tätowierung als fortwährende Erinnerung erhalten möchten und sich mit dem Dekor auch weiterhin identifizieren, wünschen sich andere nach vielen Jahren eine Entfernung und betrachten die Entscheidung im Nachhinein als unüberlegt. Dies trifft insbesondere auf Tätowierungen zu, die auf Grund eines modischen Trends gewählt wurden. Ein Beispiel ist das Steißbein-Tattoo, das lange Jahre als hip galt und bei nicht wenigen Trägerinnen mittlerweile unerwünscht ist. Da ein entscheidendes Merkmal der Körperzeichnung ihre Dauerhaftigkeit ist und die eingebrachten Farbpartikel bis zu vier Millimeter tief liegen, ist die Entfernung insbesondere farbiger Elemente von der Haut schwierig und mit einem gewissen Aufwand verbunden. Bei allen eingesetzten Methoden ist nicht auszuschließen, dass die restrukturierte Hautoberfläche von der umgebenden Haut abweicht oder durch die Prozedur beschädigt wird. Die Entfernung einer Tätowierung ist langwierig und meist teurer als das ursprüngliche Stechen. Bis zu zehn Sitzungen in einem Abstand von jeweils vier bis sechs Wochen sind für eine vollständige Entfernung erforderlich. Die Gesamtkosten variieren stark von der Größe des Dekors und der Hautbeschaffenheit. Im Durchschnitt ist mit 1.000 – 3.000 Euro zu rechnen.

Was dich beim Besuch eines Tattoo-Studios erwartet und worauf du achten solltest erfährst du im folgenden Video:

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